Erde¶
Die Erde, im interstellaren und amtlichen Kontext auch Terra genannt, ist die Heimatwelt der Menschheit und das politische Zentrum der Union Terra. Das Manuskript verwendet „Erde“ und „Terra“ für denselben Planeten; „terranisch“ kann sich je nach Zusammenhang auf den Planeten, die Menschheit oder Einrichtungen der Union beziehen.
Konkrete astronomische Basisdaten werden in beiden Romanen nicht systematisch angegeben und deshalb nicht aus Allgemeinwissen ergänzt.
Erde zur Zeit von YOSHIDA¶
Zur Zeit der ersten interstellaren Expedition leben ungefähr neun Milliarden Menschen auf der Erde. Nationalstaaten, nationale Streitkräfte und Raumfahrtagenturen bestehen noch; die Vereinten Nationen koordinieren internationale Luft- und Raumfahrt. Private Unternehmen wie SpaceCorp besitzen erheblichen technischen und wirtschaftlichen Einfluss.
Kompakte Fusionskraftwerke haben fossile Energie und Kernspaltung weitgehend verdrängt. Gravitationsantriebe verändern innerhalb weniger Jahre Luftfahrt, Raumfahrt und Bergbau; Frankfurt–Tokio dauert mit GENESIS-Fahrzeugen ungefähr dreißig Minuten. Dauerhafte Forschungsgruppen operieren bei allen Planeten und sogar nahe der Sonne, während im Hauptasteroidengürtel Rohstoffe gewonnen werden.
Die neue Gravitationstechnik wird zugleich militärisch missbraucht. Bürgerkriegsähnliche Konflikte und Waffen, die Menschen durch extreme Schwerefelder zerreißen, gehören bereits zur jüngeren Erfahrung. Mehrere Entwicklerfirmen verweigern dem Militär dagegen die von ihnen entwickelten miniaturisierten Schutzschirme.
Politische Ordnung im Jahr 2065¶
Die Union Terra wurde zwölf Jahre vor Kapitel 1 gegründet, also ungefähr 2053. Dabei wurden die früheren Nationalstaaten aufgelöst. Das Manuskript stellt zugleich fest, dass sich kaum noch jemand für diese alten Staaten interessiere.
Nationale und regionale Identitäten bestehen kulturell dennoch fort. Karoliina Korkeaoja bezeichnet sich ausdrücklich als Finnin; auch Finnland, Deutschland und England werden weiterhin als Herkunfts- oder Kulturbezeichnungen verwendet. Sven Pfeiffer wuchs noch in der „alten Welt“ auf, diente als Jugendlicher in der deutschen Bundeswehr und wechselte nach Gründung der Union Terra in deren Streitkräfte.
Die genaue Regierungsform, Hauptstadt und territoriale Gliederung werden nicht genannt. Militärische und wissenschaftliche Raumfahrtinstitutionen besitzen jedoch eine zentrale Führung mit Admiralsstab, Flottenkommando und Gerichten.
Gesellschaft und politische Spannungen¶
Die interstellare Raumfahrt ist politisch umstritten. Nach dem Flug nach Trappist-1 und dem Verschwinden der MAGELLAN gewinnen ihre Gegner an Einfluss. Admiral Viola Cote hält 2065 sogar einen Bürgerkrieg für möglich, falls auch das Verschwinden der DREAMCATCHER öffentlich bekannt würde. Dies ist ihre Risikoeinschätzung und kein tatsächlich eingetretenes Ereignis.
Auf der Erde fanden nach Nathalies Erinnerung seit mehr als dreißig Jahren keine Exekutionen mehr statt. Das Manuskript sagt nicht ausdrücklich, ob die Todesstrafe überall rechtlich abgeschafft ist.
Jüngere Gewaltgeschichte¶
Einige Jahre nach dem Jungfernflug der YOSHIDA, dem ersten Schritt der Menschheit in den interstellaren Raum, wurden Nathalies Eltern und deren Besatzung beinahe ausgelöscht. Ihre Rückkehr führte zu einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung. Mitte der 2030er Jahre verübten Terrorgruppen weltweit Angriffe mit Gravitationswaffen. Die Gruppen zogen sich später zurück, nachdem sie durch einen Fehler eines ihrer Verstecke selbst ausgelöscht hatten.
Ab 2042 werden weitere, offiziell als tektonisch erklärte Erdbeben in Helsinki und Umgebung tatsächlich durch illegale Gravitationswaffentests verursacht; Menschen kommen dabei ums Leben. Karo rekonstruiert die Ursache korrekt, kann sie innerhalb der Romanwelt jedoch nicht beweisen. Öffentlich bleiben die Tests deshalb unbekannt.
Als historischen Vergleich erinnert Nathalie an eine Periode, die als eine der schlimmsten Zeiten Terras gilt: Eine Nation versuchte die Weltherrschaft zu erringen, führte einen sechsjährigen weltweiten Krieg mit Millionen Toten und sperrte aufgrund einer Ideologie der „Herrenrasse“ Hunderttausende Menschen in Lager. Das Manuskript nennt das Ereignis an dieser Stelle nicht beim historischen Namen.
Raumfahrt und interstellare Einbindung¶
Bis 2065 verfügt die Menschheit über interstellare Raumfahrt, Hyperantriebe, Hyperfunk und mehrere spezialisierte Flotten. Terranische Schiffe senden alle fünfzehn Minuten automatisch Zustandsdaten an ein Hauptnetzwerk. Hyperfunk ermöglicht selbst über ungefähr 2.000 Lichtjahre nahezu verzögerungsfreie Gespräche und den Empfang aktueller Medien von der Erde.
Die Erde unterhält Kontakte zu anderen Spezies, darunter den Shektath. Nach dem Istreth-Zwischenfall stellen auch die Zithari offizielle diplomatische Beziehungen in Aussicht. Wie weit menschliche Kolonisation oder dauerhafte Besiedlung außerhalb der Erde reicht, wird nicht zusammenhängend beschrieben.
Terra-Standardzeit beziehungsweise Terra-Normalzeit dient auf menschlichen Schiffen und Missionen als Referenz. Die Rotationsdauer Istreths entspricht annähernd derjenigen Terras.
Technik und Medizin¶
Das Manuskript beschreibt die terranische Technik als hoch entwickelt, aber nicht widerspruchsfrei:
- Medizinische Einrichtungen können Organe züchten; Knochenbrüche werden dennoch weiterhin auch mit Gips behandelt.
- Iris-Displays können sich aus der Bioelektrizität ihrer Träger speisen und mit zahlreichen Systemen verbinden.
- Terranische Raumfahrzeuge verwenden Fusionsreaktoren, Gravitationsantriebe, Schutzschirme und Hypertechnik.
- Forschungsschiffe führen standardmäßig umfangreiche Waffen- und Einsatzausrüstung mit.
- Die Zentrale terranischer Großschiffe liegt aus Sicherheitsgründen häufig im Schiffskern, was lange Wege zu Hangars und Außenbereichen verursacht.
Genannte Orte¶
Boston und Massachusetts¶
Der Boston Spaceport ist Standort des Flottenhauptquartiers. Dessen hohe „Glasnadel“ enthält Büros, Konferenzräume und vorübergehende Quartiere. Ein Konferenzraum der Flottenführung liegt ungefähr 200 Meter hoch. Zum Raumhafen gehören nummerierte Landefelder; die ORACULUM steht im Epilog auf Landefeld 48-3.
Am 24. Februar 2066 scheint in Massachusetts die als Frühlingssonne bezeichnete Sonne, während sich ihr Licht im Wasser des Boston Harbor spiegelt.
Finnland¶
- Kitee ist Karos Heimatstadt und liegt an einem See, den sie als fast zehnmal so groß wie die Stadt beschreibt.
- Karo studierte an der Universität in Joensuu und verbrachte ein Semester in Helsinki.
- Vor Helsinki liegt eine Seefestung; Karo erwähnt sie als Beispiel für eine finnische Burganlage.
- Helsinki und seine Umgebung waren von den Erdbeben betroffen, die Karo mit Gravitationswaffentests verbindet.
Weitere erwähnte Orte und Landschaften¶
Nathalie besuchte mit ihrem Vater Burg Eltz und bezeichnet sie als die für sie schönste Burg. Zu ihren Erinnerungen gehören außerdem ein verschneites Weihnachtsfest bei ihrer Großmutter, geschmückte Tannen und Besuche irdischer Freilichtmuseen. Das Manuskript erwähnt weiterhin isolierte Inselbevölkerungen, die auch 2065 noch keinen Kontakt zur Außenwelt hatten.
Bedeutung für Figuren¶
Nathalie verbrachte als Kind nur begrenzte Zeit auf der Erde und hatte bereits mit acht Jahren mehr Sternsysteme als irdische Städte besucht. Dennoch bleibt die Erde für sie Bezugspunkt für Heimat, Recht, Geschichte und eine mögliche Rückkehr.
Karo wuchs in Kitee auf und verbindet die Erde besonders mit Finnland, ihrer Familie, ihrer Ausbildung und finnischer Musik. Ihre fortbestehende Selbstbeschreibung als Finnin zeigt, dass die politische Auflösung der Nationalstaaten kulturelle Herkunft nicht beseitigt hat.
Redaktionelle Abgrenzung¶
Dieser Artikel beschreibt den Planeten und die im Manuskript belegten gesellschaftlichen Verhältnisse. Institutionelle Einzelheiten stehen unter Union Terra, konkrete Einrichtungen unter Boston Spaceport und technische Systeme in ihren Fachartikeln. Formulierungen wie „terranische Technik“ werden nicht automatisch als Eigenschaften des Planeten selbst verstanden.